Ökologische und sozioökonomische Folgen eines übermäßigen Tourismus in Entwicklungsländern

Tourismus und seine Auswirkungen auf Entwicklungsländer

Zunächst ist es schwierig eine generelle Aussage über die sozioökonomischen und ökologischen Folgen eines übersteigerten Tourismus in den sog. Entwicklungsländern zu treffen, da sich die kulturellen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Gegebenheiten von Land zu Land unterscheiden. Es lassen sich aber durchaus gewisse Gemeinsamkeiten und ähnliche Entwicklungen in den sog. Entwicklungsländern feststellen.

Ein gesteigerte Tourismus füllt zweifelsohne die Kassen eines Landes und schafft Arbeitsplätze. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) geben Deutsche in Entwicklungs- und Schwellenländern jährlich 13,5 Mrd. Euros aus. Volkswirtschaftlich gesehen leistet jeder deutsche Tourist einen Beitrag von 620 Euro für die Wirtschaftskraft des Landes. Ökonomisch gesehen ein klarer Vorteil. Welche Auswrikungen hat der Tourismus aber auf die ökologischen und sozioökonomischen Strukturen eines Landes?

Ökologische Aspekte

Hinsichtlich der ökologischen Auswirkungen ist der zügellose Verbrauch von natürlichen Ressourcen einer der schwerwiegendsten Folgefaktoren eines übersteigerten Tourismus in Entwicklungsländern. Besonders drastisch ist hierbei die Verschwendung von Wasser. Für die Bewässerung von Grünanlagen, Golfplätzen und für den hohen Wasserbedarf von Touristen werden Unmengen an Trinkwasserressourcen benötigt, die an anderer Stelle fehlen. In Bereichen wie der Landwirtschaft oder dem täglichen Wasserverbrauch muss die Einheimische Bevölkerung zu Gunsten der Touristen Verzicht üben. Ein weiterer Aspekt ist die Verunreinigung des Trink- und Grundwassers. Da die meisten Entwicklungsländer über kein funktionierendes Klärsystem zur Aufbereitung von Abwässern verfügen, wird das von Fäkalien, Phosphatrückständen und anderen chemischen Stoffen verunreinigte Wasser ohne vorherige Filterung wieder rückgeführt. Die daraus resultierende Verunreinigung des Grundwassers wirkt sich negativ auf die Landwirtschaft aus. Bedenklich ist auch die gesundheitliche Schädigung der oftmals ahnungslosen Bevölkerung, die das verunreinigte Wasser zu sich nimmt. Die Rückführung des ungeklärten Abwassers hat nicht nur direkte, sondern auch indirekte Folgen für die einheimische Bevölkerung.  Die Verschmutzung von Gewässern führt vielerorts zur Reduzierung der Artenvielfalt. Durch den Rückgang von Fischbeständen wird vielen Einheimischen die Lebensgrundlage entzogen. Gesundheitliche Folgeschäden durch den Verzehr giftstoffbelasteter Fische sind auch nicht auszuschließen.

Die Verantwortung in Umgang mit natürlichen Ressourcen liegt auch bei den Touristen

Die Liste der ökologischen Folgeschäden einer maßlosen Wasserverschwendung ließe sich noch weiter fortführen, wobei die Langzeitfolgen in vielen Fällen noch gar nicht absehbar sind. An dieser Stelle stehen nicht nur die großen Reiseveranstalter in der Verantwortung, sondern auch die lokalen Veranstalter vor Ort und die jeweiligen Regierungen. Nicht zuletzt steht auch der Verbraucher selbst, also der Tourist, in der Bringschuld. Das Ziel muss es sein, sich für einen nachhaltigen Wasserverbrauch der Tourismusbranche in Entwicklungsländern einzusetzen. Hierbei muss sich jeder einzelne Tourist seiner moralischen Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen und der Umwelt bewusst werden.

Sozioökonomischer Aspekt

Von der Tourismuswirtschaft in Entwicklungsländern profitieren viele Menschen. Der Tourismus bietet den jeweiligen Ländern eine wertvolle Ressource für den Arbeitsmarkt (Hotellerie, Gastronomie etc.). Dadurch ergeben sich aber nicht nur Chancen für die Ökonomie eines Landes, sondern auch zahlreiche Gefahren. Problematisch sind hierbei die monostrukturelle Abhängigkeit vom Tourismus und die z.T. sehr schlechten Arbeitsbedingungen in der Tourismusbranche. Diese Probleme scheinen auf den ersten Blick ökonomischer Art zu sein, haben aber auch sozioökonomische Auswirkungen. Da die Tourismusbranche vielen Menschen Arbeit und auch Perspektiven bietet, erhoffen sich viele einen sozialen Aufstieg und eine bessere Zukunft. Dadurch entsteht eine regelrechte Arbeitsflucht in den Tourismussektor. Dies führt nicht nur zu einem Mangel an Arbeitskräften in anderen Bereichen, sondern kann unter Umständen auch zum Verschwinden traditioneller Berufsfelder führen. Zudem besteht die Gefahr, in eine Abhängigkeit vom Tourismus zu geraten, sei es nun im Hotelgewerbe, in der Gastronomie oder dem Versorgungssektor. Demzufolge stehen und fallen die Arbeitsplätze in den Entwicklungsländern mit dem Erfolg oder Misserfolg des Tourismus.

Brauchtum und Tradition verschwinden

Ein weiteres Problem sind die schlechten Arbeitsbedingungen in der Branche. Da es so gut wie keine Regulierungsmechanismen gibt, fehlen oftmals geregelte Lohnvereinbarungen und festgelegte Sicherheitsstandards. Durch das Fehlen derartiger Standards findet in vielen Entwicklungsländern eine regelrechte Ausbeutung von Arbeitskräften statt. Die schlechten Arbeitsbedingungen und die niedrigen Löhne haben nicht nur ökonomische Folgen für die Betroffenen, sondern auch negative Auswirkungen auf das soziokulturelle Gefüge einer Gesellschaft.

Durch den verstärkten Fokus auf die Tourismuswirtschaft verschwinden Tradition und Brauchtum bzw. werden vernachlässigt oder nur als überzogene Folklore für die Touristen erhalten und aufbereitet. Das eigentliche kulturelle Erbe geht verloren. Zieht die Tourismuswirtschaft dann aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Rentabilität weiter, sind die kulturellen Hinterlassenschaften einer Region oftmals für immer verloren. In einigen Fällen mögen sich aber auch durchaus Chancen ergeben, vergessene Traditionen und Bräuche für die Besucher neu zu beleben und dadurch auch für Einheimische wieder zugänglich zu machen.

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