Donald Trump kündigt Klimabkommen – die Konsequenzen tragen andere

Was sich in den letzten Tagen bereits abgezeichnet hat ist nun harte Realität – die USA kündigen unter Präsident Donald Trump das Pariser Klimaabkommen. Ein Schock für die ganze Weltgemeinschaft. Trump begründete seine Entscheidung damit, dass die amerikanische Wirtschaft durch das Pariser Abkommen „an die Klima-Leine“ gelegt wird und sich andere Industrienationen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den USA verschaffen wollen. Der mächtigste Mann der Welt hat angekündigt das Klimaabkommen neu verhandeln zu wollen – die Regierungen von Deutschland, Frankreich und Italien haben aber bereits angekündigt, dass die Positionen des Vertrags nicht verhandelbar sind.

Fakt ist: Leiden werden andere

Was der Ausstieg für die Welt genau bedeutet ist noch nicht abzusehen – die Folgen werden aber verheerend sein. Fakt ist, dass die Konsequenzen andere tragen werden. Allen voran Länder, die nur einen verschwindend geringen Teil zur globalen Erwärmung beitragen. Verheerende Waldbrände in Chile, katastrophale Überschwemmungen in Peru und Kolumbien haben gezeigt welche dramatischen Folgen die Klimaerwärmung haben kann – scheinbar ist das noch nicht bis nach Washington durchgedrungen, zumindest nicht bis zum amerikanischen Präsidenten.

Fallbeispiel PERU: Die Klimaerwärmung schreitet voran – die andinen Gletscher verschwinden

Mehr als dreiviertel der Gesamtbevölkerung Perus leben auf der pazifischen, küstennahen Seite des Landes. Auf diesen ca. 3000 km langen hyperariden Küstenstreifen entfallen
weniger als 2 % der nationalen Wasserressourcen. Das hyperaride Klima der Küstenwüste reicht von 30°S bis 7°S. Verursacht wird dieses trockene Klima durch den Humboldt Strom.
Ein südpazifisches Hoch transportiert kaltes Tiefseewasser in nördliche Richtung. Am Nazca-Rücken bei San Juan (15°S) wird es zum Aufrieb gezwungen. Das kalte Oberflächenwasser kühlt die darüber liegenden Luftmassen ab. Eine daraus entstehende stabile Inversionsschicht unterbindet Niederschlag und Konvektion. Dadurch beträgt die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge in Lima weniger als 20 mm. Die natürliche Niederschlagsmenge nimmt daher eine untergeordnete Rolle in der Wasserbilanz der Küstenregion ein. Die peruanische Hauptstadt leidet folglich unter einem extremen hygrischen Stress und ist nahezu vollständig auf externe Wasserquellen angewiesen. Zwischen 75 bis 80 % des Trinkwassers entstammen der Schnee-, Eisschmelze der andinen Gletscher und den Niederschlagsmengen der Zentralanden (vgl. LEAVELL 2007, S. 2, PAINTER 2007, S. 6f., DRENKHAN 2010, S.9).

Eine drastische Veränderung des Gletscherhaushalts in den Zentralanden und Schwankungen in den Abflussvolumina der Gebirgsflüsse in den nächsten beiden Jahrzehnten ist aufgrund des Klimawandels als sehr wahrscheinlich anzusehen. Die Auswirkungen sind vor allem schon jetzt in den Gletscherregionen der Anden sichtbar. Rund 69,9 % des globalen Süßwassers sind in Gletschern gespeichert. Über viele Generationen hinweg wird Trinkwasser in den Eismassen der Gletscher gespeichert,bevor es wieder in den aktiven Wasserkreislauf übergeht. Die gemittelte Verweildauer eines Wasserpartikels im Gletscherinneren beträgt etwa 1600 Jahre. Untersuchungen der zentralen Andengletscher belegen: Im Vergleich zur potenziellen Akkumulation der Eismassen findet ein viel zu schnelles Abschmelzen und Abfließen der Eismassen statt.

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70% aller tropischen Gletscher in den peruanischen Anden

70 % aller tropischen Gletscher befinden sich in den peruanischen Anden. Seit Beginn der Beobachtungen im Jahr 1960 hat die Gesamtfläche der andinen Eismassen des peruanischen Hochlands von 2041 km²auf 1 596 km² (Stand 1997) abgenommen (vgl. DRENKHAN 2010, S. 8f.).  Das Abschmelzen hält unvermindert an.

Dramatische Veränderung des Wasserhaushalts an der peruanuischen Küste

Die für die Wasserversorgung von Lima relevanten Gletscher liegen in den Westkordilleren der Zentralanden. Im Nordosten der Kordilleren liegen die Gletschermassen der Cordillera la Viuda und der Cordillera de la Corte. Die erste Kordillere entwässert vollständig. Die Cordillera de la Corte entwässert nur aus ihrem nördlichen Teil durch den Gletscher La Chonta in den Río Chillón. Die südliche Hälfte der Cordillera de la Corte und die im Osten gelegenen Gletscher um den Shullcon versorgen die beiden Flüsse Santa Eulalia im Norden und den Río Blanco im Süden mit Schmelzwasser (Zusammenfluss bei Chosica) und speisen somit den Río Rímac. Die Gletscher der Gebirgszüge La Viuda und Corte weisen jedoch nur kleinere Eiskappen auf und spielen für die Versorgung der Region Lima nur noch eine untergeordnete Rolle. Vielmehr von Bedeutung ist das Schmelzwasser der insgesamt 27 Tal-und Plateaugletscher um den Shullcon (vgl. DRENKHAN 2010, S. 9).

Es ist also anzunehmen, dass sich die Speicherkapazität der andinen Schnee- und Eiskörper in den kommenden Dekaden verringern wird und schlimmstenfalls ganz entfällt. Bisher dienten die Gletscher als natürliche Wasserspeicher und regulierten den Abfluss talabwärts. Hierbei stellt sich die Frage, inwieweit die bereits bestehenden Gletscherseen und/oder die andinen Sumpfgebiete die Speicherfunktion der Gletscher kompensieren bzw. ersetzten können (vgl. DRENKHAN2010, S. 37).

In Zukunft können extreme Hochwasserspitzen im Sommer und extremer Niedrigwasserabfluss in den Wintermonaten den betroffenen Menschen zu schaffen machen. Die tropischen Gletscher auf der Pazifikseite Perus haben eine enorm wichtige Puffer-Funktion. Die zum Teil hohen Sommerniederschläge können in Form von Schnee und Eis gespeichert werden. In den trockenen Wintermonaten werden diese in Form von Schmelzwasser wieder freigegeben. Demnach kann es in Zukunft zu extremen Abflussamplituden in der Regenzeit und zu einer geringeren Wasserverfügbarkeit von Trinkwasser in der Trockenzeit kommen. Vor allem der zuletzt genannte Aspekt birgt für die verschiedenen Sektoren der Wassernutzung ein erhöhtes Gefahrenpotenzial (vgl. DRENKHAN2010, S. 40).

Weiterführende Informationen über die Problematik der Wasserversorgung an der peruanische Küste findet ihr hier.

 

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